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Published on Dezember 10th, 2014 | by Thomas Letzel

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Ist ein Föhn mit Ionen-Technologie besser als ohne?

Diese Frage ist echt schwer zu beantworten, denn es hat wieder mal etwas mit ‚daran glauben‘ zu tun.
Die Bedienungsanleitung meines neuen Föhns erklärt die enthaltene ‚Ionentechnologie‘ bzw. den ‚Ionen-Effekt‘ folgendermassen:
‚Moleküle, die in der angesaugten Luft enthalten sind, werden im Ionen-Haartrockner negativ geladen (ionisiert) und mit der „Heizluft“ zu den Haaren transportiert. Auf dem Haar bewirken die negativen Ionen, dass die Wasserstoffbrücken in den Wassertropfen aufgebrochen werden, das Wasser in kleinere Einheiten zerfällt und dadurch schneller verdunsten. Ein zweiter und wesentlicher Effekt ist, dass das Haar die winzigen Wassertröpfchen im Gegensatz zu normalen Wassertropfen besser absorbieren kann.‘

Stiftung Warentest sagt dazu im Testheft 10/2009:
‚Im Gehäu­se der Haartrockner mit Ionentechnologie steckt ein Hochspannungsgenerator, der bis zu 7 000 Volt erzeugen soll. In diesem elektrischen Feld werden negative Ionen erzeugt, die der Luftstrom mitreißt. Die Technologie verspricht viel.
„Gegen statische Aufladung“: Positiv geladene Teilchen auf dem Kopf lassen die Haare fliegen, beim Föhnen sollen sie sich mit negativen Ionen neutralisieren. Im Test waren Haartrockner ohne Ionenfunktion in diesem Prüfpunkt aber auch „gut“.
„Mehr Glanz, Volumen, Weichheit“: Im Test gab es keine Unterschiede im Glanz, aber bei einzelnen Geräten in Volumen und Weichheit.
„Schnelleres Trocknen“: Herstellern zufolge spalten Ionen Wassertropfen im Haar auf, diese verdunsten schneller. Im Test waren Unterschiede zwischen Geräten mit und ohne Ionenfunktion nicht eindeutig.‘

Ich sage dazu: Zunächst einmal freut es mich als Chemiker, dass eine Bedienungsanleitung Begriffe wie ‚Moleküle‘ und Wasserstoffbrücken‘ benutzt.
Und zum Effekt: Prinzipiell ist es möglich (vor allem aromatische) Moleküle im elektrischen Feld durch sog. ‚Elektroneneinfang‘ negativ zu laden, aber, dass diese Ionen dann Wasserstoffbrücken in grosser Zahl aufbrechen wage ich zu bezweifeln, denn das eine hat mit dem Anderen zunächst nichts zu tun (nur dass es sich bei Beiden um sogenannte ‚Nichtkovalenten Wechselwirkungen‘ handelt). Und dass kleinere Tröpchen besser in die Haare eindringen, müsste mir auch erst einmal jemand beweisen.

Aber wie heisst es so schön: Wer dran glaubt dem hilfts auch !
Ich nehme ihn gerne her, denn ob mit oder ohne Ionen meine wenigen verbliebenen Haare werden mit dem neuen Föhn schön trocken und dass ist das Wichtigste (und Volumen bekomme ich eh nicht mehr rein ;-))

Und natürlich noch ein kleines Filmchen, zum Thema Elektroneneinfang und Detektion im analytischen Labor:

Wer mehr dazu wissen möchte, kommt einfach in meine Vorlesung ‚Instrumentelle Analytik‘ 🙂

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